Jobglück mit 50plus: Wie Marketa Burger Altersdiskriminierung, Karrierewechsel und neue Chancen sichtbar macht

Shownotes

Ist ein beruflicher Neustart mit 50plus wirklich noch möglich? Oder stehen Erfahrung, Alter und Vorurteile dem nächsten Karriereschritt im Weg? In dieser Folge spricht Björn Andres mit Marketa Burger, Bewerbungs- und Karrierecoach für Menschen über 50, über genau diese Fragen.

Marketa begleitet seit über zehn Jahren Menschen 50plus durch berufliche Umbrüche: nach Kündigungen, in Phasen der Neuorientierung oder beim Wunsch, noch einmal etwas ganz Neues zu wagen. Im Gespräch teilt sie ihre Erfahrungen aus der Praxis und zeigt, warum berufliches Glück nicht am Alter scheitert, sondern oft erst dann bewusst gestaltet wird.

Gemeinsam sprechen Björn und Marketa über Karriere mit 50plus, Altersdiskriminierung im Bewerbungsprozess, Fachkräftemangel, die Rolle von LinkedIn, den Wert von Netzwerken und darüber, warum Unternehmen gerade jetzt stärker auf generationenübergreifende Teams setzen sollten. Es geht um Mut, Selbstfürsorge, Klarheit und die Frage, wie man nach einer Kündigung nicht in blinden Aktionismus verfällt, sondern den eigenen Weg neu und sinnvoll aufsetzt.

Ein besonders spannender Punkt der Folge: Warum Start-ups und moderne Unternehmen enorm von erfahrenen Mitarbeitenden profitieren können — und weshalb ältere Bewerberinnen und Bewerber oft mehr Zukunftskompetenz mitbringen, als ihnen zugetraut wird.

Diese Episode ist für alle, die sich fragen:

  • Wie finde ich meinen Wunschjob mit über 50?
  • Wie gehe ich mit Absagen und Vorurteilen um?
  • Wie kann ich mein Netzwerk gezielt für die Jobsuche nutzen?
  • Und was können Unternehmen tun, um altersdiverse Teams wirklich zu fördern?

In dieser Folge erfährst du:

  • warum ein Jobwechsel mit 50plus kein Ausnahmefall sein muss
  • welche Vorurteile ältere Bewerber im Recruiting erleben
  • weshalb Fachkräftemangel und Altersdiskriminierung nicht zusammenpassen
  • wie wichtig Klarheit vor jeder Bewerbung ist
  • warum LinkedIn Fluch und Chance zugleich sein kann
  • wie Netzwerke zur besten „Arbeitslosenversicherung“ werden
  • was Unternehmen tun können, um erfahrene Talente besser anzusprechen
  • warum jung und alt im Team gemeinsam stärker sind

Besonders starke Takeaways aus der Episode:

  1. Es ist niemals zu spät für persönliches Jobglück.
  2. Erfahrung ist kein Nachteil, sondern ein echter Wettbewerbsvorteil.
  3. Wer sich neu orientiert, braucht nicht nur Bewerbungsunterlagen, sondern zuerst Klarheit.
  4. Altersdiverse Teams schaffen bessere Perspektiven, mehr Verständnis und oft die klügeren Lösungen.

Über den Gast: Marketa Burger ist Bewerbungs- und Karrierecoach für Menschen über 50. Sie unterstützt Menschen dabei, nach Kündigungen, Umbrüchen oder Sinnkrisen ihren beruflichen Weg neu auszurichten und einen Job zu finden, der zu ihrem Leben, ihren Werten und ihrer Erfahrung passt.

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Transkript anzeigen

Bjørn Andres: 50 Jahre sind kein Wendepunkt. Sie sind ein Zwischenhalt, kurz zurückzuschauen und dann mutig weiterzugehen. Ich glaube, kein Zitat dieser Welt passt so gut zu dem, was Marketa Burger macht. Und deshalb freue ich mich riesig heute auf diese Folge, liebe Marketa. Erzähl mal, wer bist du, was machst du, warum sitzen wir zwei hier heute zusammen?

Marketa Burger: Ja, hallo lieber Björn, hallo liebe Zuschauer. Erstmal bedanke ich mich ganz, ganz herzlich für die Einladung. Ich freue mich wahnsinnig, dass wir heute zusammensitzen und dass wir all den Kontakte, wir schon hatten, wieder aufgreifen können. Ja, ganz kurz zu mir. Wer bin ich? Mein Name ist Marketta Burger, ich bin seit mittlerweile über 10 Jahren Bewerbungs- Karrierecoach für Menschen über 50. Das heißt, ich begleite Menschen, die gekündigt wurden, die sich in einer beruflichen Sinnkrise befinden oder die auch wirklich nochmal Lust haben, was völlig Neues zu wagen, durch den sehr, sehr anstrengenden Bewerbungsdschungel in ihren Wunschjob. Und zwar in den Job mit Sinn, Wertschätzung und mit Aufgaben, die sie wirklich erfüllen. Und das macht mir wahnsinnig viel Freude. Ja, ich bin der Meinung, dass es wirklich niemals zu spät ist, persönliches Jobglück aktiv anzugehen und wirklich den Job zu finden, der einen erfüllt und glücklich macht.

Bjørn Andres: Jetzt haben wir uns ja auch mal kennengelernt, weil du damals mit mir darüber gesprochen hast, wie ich so mit meinen 50 Lenzen mein Jobglück im Start-up gefunden habe. Bin ich eine Ausnahme in der Szene? So von deinem Gefühl her?

Marketa Burger: Mhm. ob du ein Ausnahme bist. Ich würde sagen ja. Die wenigsten, die sich umorientieren, denken erstmal an Start-up. Vor allem, weil das Umfeld immer sagt, naja, du bist doch hier bei deiner Mittelständler, du bist bei deinem Konzern, das ist hier ein sicherer Hafen, du hast hier einen gewissen Status erarbeitet, du verdienst hier gut. Behalt das doch bitte bei. Deswegen ist erst mal das Start-up gar nicht so lukrativ, wenn man denkt, wo könnte ich mich hin verändern?

Bjørn Andres: Hm?

Marketa Burger: Aber in zweiter Linie, wenn wir wirklich tiefer einsteigen und überlegen, was ist dir wirklich wichtig? Welche Aufgaben, welche Verantwortung, wie viel Eigenständigkeit darf es denn sein? Wie möchtest du denn zusammenarbeiten mit deinen Kollegen, mit deinen Kolleginnen? Dann kommt ganz oft raus, ich möchte mehr Autonomie, ich möchte wirklich die Ärmel hochkrempeln, ich will hier was aufbauen, ich will hier meinen Stempel aufdrücken, ich möchte was hinterlassen. Und dann rückt das Start-up doch immer mehr in den Bereich des Möglichen, weil sich genau dort diese Strukturen finden, wo noch nicht alles da ist, sondern wirklich was aufbauen kann und wo man mehr mitgestalten kann als in den größeren Strukturen.

Bjørn Andres: Mhm. Ja, jetzt weiß ich ja selber aus zahlreichen Gesprächen auch mit Leuten in meinem Alter oder mit Menschen in meinem Alter, Vertrieblern in meinem Alter. Wir sind ja im Start-up, wenn ich eine Ausnahme bin, dann hat das ja auch einen Grund. Das ist ja nicht immer nur, weil wir uns nicht trauen, uns im Start-up zu bewerben, sondern manchmal ist es ja auch die Gegenseite, wo sich das Start-up nicht traut, Menschen wie mich einzustellen. Hast du da auch Erfahrung?

Marketa Burger: Ja absolut. Also die Vorurteile auf der Gegenseite sind definitiv da. Gerade wenn wir uns überlegen, wer sitzt denn da in so einem Start-up gegenüber. Das sind oft junge Geschäftsführer, die aus dem fachlichen kommen. Die haben einen technischen Background, die haben einen fachlichen Background, sind vielleicht 30, 35 so den Dreh. Und natürlich wollen die nicht jemanden einstellen, der sich im Alter ihrer Eltern befindet. Da spielt natürlich das innere Kindene Rolle, aber auch so Themen wie lässt sich denn diese erfahrene Person überhaupt was von mir sagen? Kann die sich hier in unsere Kultur einfügen oder erwartet die auch viel zu viel, erwartet diese Person ein viel zu hohes Gehalt, was ich noch überhaupt nicht bieten kann? Also die Berührungsängste sind definitiv da. Allerdings, wenn man dann aufeinandertrifft, wenn dann ein junger Geschäftsführer, eine junge Geschäftsführerin mit einer erfahrenen Kraft Ü50 ins Gespräch kommt, dann schmelzen diese Barrieren. Da merkt man, wir sprechen hier über das gleiche Thema, wir haben Leidenschaft für dieses Thema, da ist Biss dahinter, ist Sunder dahinter und da passiert wirklich eine superschöne Annäherung. Das finde ich immer wieder so, wissen magisch.

Bjørn Andres: war mein Mikroaussicht. Ich glaube, was ein ganz wichtiger Punkt ist immer, dass man versucht auch mitzugehen, jung zu bleiben als Älterer, sich anzupassen auch an das, was gerade State of the Art ist in irgendeiner Form, so ein Stück weit halt auch ja da offen zu bleiben. Hast du die Erfahrung gemacht, dass das schwieriger wird, je älter man wird oder sind das Vorurteile? Plauder mal ein bisschen aus dem Nähkästchen.

Marketa Burger: Ich denke, ich kann das nicht repräsentativ über die gesamte U50-Generation ausdehnen, aber die Menschen, mit denen ich zu tun habe, die bilden sich wirklich aus eigener Kraft weiter. Die sind intrinsisch motiviert und nicht, weil sie sagen, wenn ich diesen Abschluss habe, erklemm ich die Karriereleiter oder bekomme ich Zertifikat XY, was ich mir irgendwie an die Wand tackern kann und damit prallen kann, sondern die sind wirklich an das Thema interessiert. Die wollen da weiter lernen. Gerade in KI, also fast jeder und jede meiner Kundenkundinnen bilden sich gerade in KI weiter, die sind da alle schon fitter als ich und sprechen damit so viel Begeisterung drüber. Also ich kann das überhaupt nicht bestätigen, dass da kein Wille mehr ist, sich weiterzubilden.

Bjørn Andres: Das bericht, glaube ich, auch mal echt eine Lanze. Ich kann es auch nicht bestätigen, weil ich weiß von ganz vielen, einfach noch richtig Bock haben, richtig Gas zu geben, die auch fit genug sind dafür, weil sie einfach auch lange genug mit dem Thema Software schon umgehen, all diese ganzen Themen. ja, ich glaube auch so eine Mischung aus dem, was gut funktioniert früher und dem, was zukünftig gut funktioniert, eigentlich auch was, was Unternehmen ja befruchten kann und wo, glaube ich, alle was von lernen können. Ich glaube, es ist ein Stück weit wichtig, dass beide Seiten irgendwie bereit sind, aufeinander zuzugehen.

Marketa Burger: Ja, definitiv. finde die Kombination dieser beiden Welten ist wirklich etwas Besonderes. Gerade auch jemanden zu haben, weiß, wie lief dieser Prozess vor 20, 30 Jahren, welche Fehler waren da, wo waren die Knackpunkte. Und wenn die Person dazu jetzt wirklich neue Technologie dazu nimmt, finde ich, ist das wunderbar. Da spart man sich so viele Fehler bei der Einführung. Deswegen, das macht wirklich nur Sinn, das auch zu kombinieren.

Bjørn Andres: Mhm. Ja, bin ich voll dabei. Jetzt sagst du ja, hast dir bewusst diese Zielgruppe ausgesucht. Du bist ja deutlich jünger als wir alten Knacker, hätte ich jetzt fast gesagt. Erzähl mal so ein bisschen oder plauder doch mal so ein bisschen aus dem Nähkästchen über deine Herausforderungen, die du damit sicherlich ja auch so hast, weil es wird ja wahrscheinlich auch den einen oder anderen geben, der zu dir kommt und sagt, Mensch mal, Keter, warum arbeitest nicht mit Menschen in deinem Alter?

Marketa Burger: Ich muss sagen, meinen Kunden oder zwischen den Menschen, die bei mir anfragen wegen einer Zusammenarbeit und mir ist das überhaupt gar kein Thema. Aber da war noch überhaupt keiner dabei, der gesagt hätte, was willst denn du uns noch sagen? Du hast da keine Expertise oder das ist ja merkwürdig. Also wenn dann kommt diese Aussage wirklich von anderen Menschen, vielleicht von anderen Karrierecoaches oder von anderen Selbstständigen, die das etwas merkwürdig empfinden. Ja, weil wenn ich so wirklich mit Menschen spreche, dann merke ich, wir haben da direkt eine Ebene. Es funktioniert sehr, sehr gut und wir reduzieren uns da überhaupt nicht auf das Alter, sondern wirklich darauf, was wir zusammen erreichen können, auf die Sympathie, dass einfach eine Wellenlänge da ist. Also da spüre ich wirklich überhaupt gar kein Thema. Und gerade deswegen ist es mir auch ein Anliegen, das noch viel, viel mehr Menschen da draußen zugänglich zu machen, wie befruchtend und

Bjørn Andres: Mh.

Marketa Burger: wie schön und wie beflügelnd es wirklich ist, wenn unterschiedliche Generationen komplett vorurteilsfrei aufeinander zugehen und eine gemeinsame Vision haben, an einem gemeinsamen Ziel arbeiten.

Bjørn Andres: Ja, jetzt haben wir ja ein Wort, was uns begleitet seit ein paar Jahren und was in den nächsten Jahren noch spannender wird. ich glaube, da habe ich auch Bock, jetzt mal ein bisschen tiefer einzusteigen. Fachkräfte mangeln. Was ich feststelle, ich weiß nicht, ob ich falsch liege, wenn du das auch beobachtest, gerne mal oder wenn du was anderes beobachtest. Wir haben große Kündigungswellen, wo Menschen mit Abfindungen rausgehen dürfen aus Unternehmen, zehn Jahre bevor sie eigentlich im normalen Rentenalter sind. Und hinterher beschweren wir uns aber, dass uns Wissen fehlt und dass uns Fachkräfte fehlen. Ist das nicht ein Irrsinn Sondergleichen oder ist das auch nur ein Bild, was uns so gespiegelt wird und das ist gar nicht die überwiegende Realität oder ist das schon, nimmst das auch so wahr?

Marketa Burger: Ich denke, wir dürfen auch mal unterscheiden, was ist öffentlich und was ist die Realität auf LinkedIn, auf einer Plattform, wo wirklich sehr viele eher gehobene Fachkräfte, Mitarbeitergruppen, Führungskräfte aufeinandertreffen und wie schaut es draußen aus auf dem Markt, wie schaut es in der Produktion aus und so weiter und so fort. Ja, das Thema mit den Abfindungen kenne ich persönlich sehr, gut noch aus meiner Zeit bei der Telekom.

Bjørn Andres: Hm?

Marketa Burger: Da hatten wir auch eine riesige Abfindungsprogramme, auch für Menschen, die 55 waren. Die wurden wirklich massenhaft, sehr, sehr lukrativ entlassen. Und später hat man gemerkt, da waren wir doch ein bisschen voreilig. Und dann hat man sich diese ganzen Leute als Berater ganz, ganz teuer wieder an Bord geholt. Also das war ein doppeltes Minus.

Bjørn Andres: Aber sie waren nicht mehr in der ... Aber man hatte sie von der Payroll. das auch ... Jetzt mal so unter uns. Könntest du dir vorstellen, dass es auch Absicht ist? Einfach, weil du kannst die Kostenstelle ja wechseln. Also im Endeffekt

Marketa Burger: Ja, es sieht natürlich in der Statistik schon gut aus, wenn es darum geht, die Altersstruktur zu verjüngen, dann macht sich das erstmal gut. Aber du musst auch sehen, in so einem Konzern ändern sich ja alle zwei Jahre die Führungskräfte und jeder Führungsrieger hat wieder andere Ziele. Und da kann es sein, dass vor zwei Jahren Unwoke war, die Altersstruktur zu verjüngen und nächstes Jahr es aber in ist, ein Mentoring-Programm mit verschiedenen Altersgruppen einzuführen. Und dann hast du wieder komplett andere Ziele, die dann wieder auf deine Agenda landen. Also ob man da so weitfristig gedacht hat, weiß ich nicht. Ich würde keine böse Absicht unterstellen, erstmal.

Bjørn Andres: Ja, ja. Nee, nein, also auf gar keinen Fall. Böse sowieso gar nicht. Aber es ist ja immer so ein Stück weit, wie kriege ich meine Zahlen schöner? Und ein Externer ist eine komplett andere Kostenstelle als meine eigene Payroll. Und damit ist es natürlich dann schon vielleicht ja auch gar nicht so schlimm. Ja, okay. Danke, dass du das angesprochen hast. Das öffentliche Bild und LinkedIn. Für mich ein Riesenthema in letzter Zeit, weil ich das Gefühl habe, dass wir in unserer Bubble da manchmal die an der Realität sehr vorbei leben, ... weil die Realität draußen ist einfach eine komplett andere. Stellst du das im Gespräch mit deinen Kunden auch fest?

Marketa Burger: Ja, durchaus. also ganz viel, was wirklich öffentlich gemacht wird, wo wirklich auch eine Sau teilweise durchs Dorf getrieben wird. Und was ein Internetthema ist, ist in der Realität gar kein Thema oder nur abgeschwächt oder nur in bestimmten Auszügen. Und hier ist es für mich wirklich wichtig, auch nicht so eine Panikmache zu verbreiten und nicht sich nur zu beschweren und zu jammern und Fingerpointing zu betreiben.

Bjørn Andres: Mhm.

Marketa Burger: sondern wirklich zu schauen, was ist denn bei dir in deiner Branche los, was ist in deinem Unternehmen und was kannst du wirklich speziell tun, deine eigene Jobsuche anzukurbeln. ja, es ist vermutlich nicht sich ja beschweren und es ist vermutlich auch nicht, sich von anderen runterziehen zu lassen, die wirklich nur Schreckensmeldungen verbreiten, weil das ist etwas, das zerrt am Nervenkostüm. Also erst letztens habe ich mit einer ganz lieben Kundin gesprochen, die gesagt hat, sie hat es immer genossen, auf LinkedIn aktiv zu sein. Sie ist selber im Bereich Marketing tätig, hat da immer gerne Einblicke geteilt, fand das immer positiv. Und irgendwann hat sie gesagt, konnte sie es nicht mehr sehen, weil sie nur noch Job suchende in den Feed gespült bekommen hat, die geschrieben haben, 300 Bewerbungen geschrieben, keine einzige Einladung. Und das macht natürlich was mit dir, wenn du von morgens bis abends mit solchen

Bjørn Andres: Vielen Dank.

Marketa Burger: Streckensmeldungen bombardiert wirst. Das ist definitiv nicht das, was du brauchst, wenn du zu Hause sitzt und selber dich mit Bewerbungen abquälst und wochenlang auf eine Rückmeldung vom Unternehmen wartest. Also hier empfehle ich wirklich, sich auch zu schützen und zu überlegen. Ist das wirklich noch die Umgebung, die mir gut tut oder muss ich da auch mal meine Community ein bisschen aufräumen und wieder mit wohltuenderen Themen und

Bjørn Andres: Mhm.

Marketa Burger: Menschen füllen, damit ich noch Spaß behalte dran.

Bjørn Andres: Das ist ein sehr, sehr guter Hinweis. Also Leute, ich kann euch das auch nur nahelegen. Beräumt ab und an mal euren Feed auf und schaut mal, wer euch da so reingespült wird und mit welchen Themen, ich glaube, ist LinkedIn auch wieder erträglicher. Ja, kann ich nachvollziehen. Wie stießt du zum Open to Work Button?

Marketa Burger: Hmhmhmhm. Ja, das ist eine Frage, die werde ich wirklich fast immer gefragt in jedem meiner LinkedIn Kurse bei einer... Er muss für mich nicht unbedingt sein, weil diesen Effekt, du mit dem Open to Work Button erzielst, bekommst du auch, wenn du in den Einstellungen gut unterwegs bist und dort deine Sucheinstellungen gut eingibst. Und generell macht es sowieso mehr Sinn, das Profil aussagekräftig zu spicken mit dem Zielbild, also mit dem, was ich suche.

Bjørn Andres: Ja.

Marketa Burger: mit der Branche, in die ich rein möchte, mit den Aufgaben, die ich in Zukunft haben möchte. Und da kann ich mir den Button sparen. Wobei es auch einige Recruiter gibt, die sagen, ich finde das klasse, wenn jemand angibt, dass er open to work ist, ganz explizit. Soweise ich kann dem auch eine Anfrage senden oder ich kann mit einem Projekt auf die Person zugehen. Auf der anderen Seite gibt es auch viele Arbeitgeber, sagen, das wirkt schon verzweifelt und ich möchte hier lieber auf die Jagd gehen. Ich möchte lieber die Menschen haben, die noch im Job sind und sie abwerben, die sind für mich attraktiver. Ja, wieder zum Fachkräftemangel zurückzukommen, ob man sich dieses wählerische erlauben sollte als Arbeitgeber, ob das noch zeitgemäß ist, ja, ich zweifle es an. Ich finde es sogar ein bisschen lächerlich, weil ich finde, ist nichts Negatives, wenn eine Person

Bjørn Andres: Voll. ⁓ Mhm.

Marketa Burger: in einer Übergangszeit sich befindet oder auch wenn eine Person gekündigt wurde. Das kann so so viele Gründe haben. Das ist für mich nichts Negatives, nichts, wo man sich schämen muss und gar kein Stigma. Und ja, ich finde es ein bisschen blauäugig, wenn Unternehmen sagen, ich möchte lieber der Jäger sein und nur die attraktiven Hirsche jagen, die noch irgendwo im Job sind.

Bjørn Andres: Ja, finde ich. Ich finde es auch schwierig, muss ich ehrlich gestehen. Also, weil das ist ja so diese Geschichte, warum, wenn jemand irgendwo glücklich ist, ihn da abzuwerben, kostet mich ja sowieso Unmengen Geld womöglich. Wenn woanders jemand da ist, der frei ist und der eigentlich vielleicht von der Qualifikation her sogar vielleicht sogar besser ist als der andere. Was einen Wahnsinn zu glauben, man müsste das tun. Ist das so ein Stück weit Zeitgeist auch leider geworden?

Marketa Burger: Ich weiß gar nicht, ob es ein aktuelles Thema ist oder ob es nicht schon immer da war. Das ist ja ein psychologisches Thema, das wir häufig etwas attraktiv finden, was nicht so einfach zu erreichen ist. Man kennt es ja vielleicht auch aus der Partnersuche. Man findet ja oft die Männer spannend, die gerade mit den attraktiven Frauen sich da irgendwo in der Ecke unterhalten.

Bjørn Andres: Hm? Hm? Mhm.

Marketa Burger: Ja, also ich denke, sind so Dinge, vor denen sind wir Menschen nicht gefreut, die können uns passieren, ja. Aber als professioneller Arbeitgeber, als professioneller Rekruter, als Person, die wirklich jemanden finden möchte fürs Team, der oder die das Team perfekt ergänzt, mit dem richtigen Persönlichkeitsprofil, mit den perfekten Skills, die sollte in der Lage sein, das zu reflektieren und wirklich zu schauen, dass sie nach

Bjørn Andres: Mhm.

Marketa Burger: objektiven Kriterien vorgeht und Menschen eine Chance gibt ins Gespräch zu kommen, ja, unabhängig von einem Open-to-work-Button.

Bjørn Andres: Okay, ja, finde ich gut. ist auch eine gute Erklärung. Ich habe in letzter Zeit mal gesehen, es gab so eine echte Open-to-Work-Bewegung. Fand ich ganz spannend in der letzten Zeit, wo ich mir gedacht habe, was haben wir eigentlich früher alle ohne das Internet gemacht? Wie war das da eigentlich, als es diese ganzen Möglichkeiten gar nicht gab, uns zu bewerben? Also insofern ist es nicht vielleicht sogar schön, manchmal wieder so bisschen in alte Wege zu gehen.

Marketa Burger: Definitiv, du hebst dich auch ab von den anderen Menschen. Generell macht es den auch wirklich das zu nutzen, was ich schon da habe. LinkedIn ist für viele ja noch so ein neues Thema oder auch ein Überwindungsthema. Ich möchte mich gar nicht so sichtbar machen. Ich weiß gar nicht, wie das so genau funktioniert. Aber wenn wir uns das zum Beispiel anschauen bei Vertrieblern, die haben ja oft ein tolles, gewachsenes Netzwerk in ihrer Branche, Auslieferanten aus ehemaligen Kunden. aus Branchenpartnern. Warum denn nicht erstmal das nutzen, was ich schon da habe? Da muss ich nicht eine riesen Aufbauarbeit betreiben, sondern kann mich komfortabel in mein Nest setzen.

Bjørn Andres: Total. Uwe Kramer hat irgendwann mal gesagt, warum netzwerke ich eigentlich, sagt er, weil ich immer innerhalb von 24 Stunden, wenn ich müsste, neuen Job habe. Und ich finde, das ist eigentlich für mich die beste Aussage, warum man netzwerken sollte, wenn man netzwerkt, noch vor allem anderen, weil dieses Netzwerk, das gesunde, gute, funktionierende Netzwerk dich halt auch aufhängt in solchen Situationen und dafür sorgt, auch außerhalb von Social Networking, sondern auch im privaten Bereich oder im privaten, persönlichen Netzwerken einfach wirklich das Leben einfacher macht.

Marketa Burger: Ja. Ja. Ja absolut, das Netzwerk ist die schönste Arbeitslosenversicherung, wie ich finde.

Bjørn Andres: Die hat total das ist eine gute, gute Beschreibung stimmt. Ja, und da da hat niemand was in Nürnberg von. Das muss man halt auch mal ehrlicherweise sagen. Ja, das ist wohl wahr. Okay, jetzt haben wir so ein bisschen schon mal so zwei, drei, zwei, drei Themen angekratzt. 50 plus. Ich glaube oder ich habe so das Gefühl, wir wir alten, ohne dass ich das despektierlich meine. Wir machen uns das Leben manchmal auch schwerer als es ist. So aus deiner Erfahrung heraus, kannst du das bestätigen?

Marketa Burger: Ja sicher, ja, ihr seid definitiv noch...

Bjørn Andres: Rauch ruhig raus, die müssen alle durch.

Marketa Burger: Ja, da müssen wir ehrlich sein. Es ist nicht nur ein Thema von außen, obwohl das durchaus stattfindet, Altersdiskriminierung findet statt. Das brauchen wir nicht schönreden. Aber ich bestimme ja immer selbst, wie gehe ich damit ⁓ Wie gehe ich mit Altersdiskriminierung ⁓ Wie gehe ich mit negativen Stimmen aus meinem Umfeld ⁓ Und auch wie stark gehe ich durchs Bewerbungsverfahren? total beleidigt, wenn ich keine Benachrichtigungen bekomme. Was mache ich mit Absagen? Suche ich dann die Schuld bei mir und werde total verunsichert? Hör auf, zieh mich komplett zurück. Oder habe ich für mich Bewältigungsstrategien mir zurechtgelegt, damit ich da stark durchkomme? Ja, und ich finde, ihr seid auch noch die Generation, die häufig auch im Elternhaus noch gehört hat. Ja, streng dich doch möglichst an.

Bjørn Andres: Mh.

Marketa Burger: Oder, gib doch bitte Gas, es ist was Negatives, wenn man zu Hause sitzt, ohne Fleiß kein Preis. Und deswegen merke ich bei meinen Kunden ganz oft auch das Thema, wenn eine Kündigung ins Haus kommt, dann passiert ein Riesenaktionismus. Da ist noch gar nicht diese Hiops Botschaft verdaut und schon geht es ans Bewerben. Da bewirbt man sich wirklich auf alles, was bei drei nicht auf dem Baum ist. Man macht sich ein LinkedIn-Profil.

Bjørn Andres: Mh. Hm?

Marketa Burger: Man aktiviert alle Headhunter, die man so gefunden hat, wirklich wahllos auf Stellen, die überhaupt nicht passen, die vielleicht gar nicht zu den Zielen passen. Und das ist für mich schon eine Art und Weise, mit der man sich das Leben zu schwer macht. Das wäre in meinen Augen überhaupt nicht nötig, sondern man darf sich erstmal Zeit nehmen, sich zu sortieren, auch mit diesem Verlust auch umzugehen. und dann sich ganz bewusst auch Raum nehmen für sich selbst. Wie soll denn meine Rolle in Zukunft überhaupt aussehen? Möchte ich so einen Job wie ich ihn hatte? Oder möchte ich auch Themen hier bewusst hinter mir lassen, aus denen ich einfach schon ganz lange rausgewachsen bin? Möchte ich jetzt die nächsten Monate nutzen, mich da ganz neu zu erfinden? Oder vielleicht habe ich schon ein Sehnsuchtsthema, was seit 20 Jahren irgendwo in der Schublade begraben ist? Und jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, das Thema mal rauszuholen und anzupacken. Ja, also das ist was, ja, da merke ich schon, da macht man sich schon mal das Leben schwer. Ja, ganz klar.

Bjørn Andres: Ja, da ist Mut auch ein großes Thema, oder? Also einfach wirklich auch den Mut zu haben, neue Wege zu gehen, sich selber mal zu hinterfragen, sich selber mal in die Pause zu nehmen, finde ich, ein richtig, richtig guter Hinweis einfach auch mal zu sagen, okay, ich weiß, das ist nicht immer einfach. Auch finanziell brauchen wir nicht drüber reden, all diese ganzen Geschichten. Da gibt es natürlich auch ganz viele Zwänge von außen, aber ich glaube, dass es super wichtig ist, gerade wenn es nach einer langen Tätigkeit dann in die Kündigung geht. einfach auch mal zu sagen, okay, komm, ich settele mich jetzt erst mal und ich überlege mir mal für mich, okay, ich hab noch 10, 15 Jahre. Wie will ich die denn gestalten?

Marketa Burger: Ja, ganz klar, es erfordert definitiv Mut und es ist auch selbstfürsorge Thema. Ich sag auch immer ganz gern, wenn du nicht selber auf dich achtest, wer soll es denn tun? Wer sonst? Die Zeiten sind vorbei, wo die Arbeitgeber oder die Headhunter vermutlich massenweise Jobangebote für dich hatten und die Zeiten sind auch vorbei, wo ein Vorgesetzter erkannt hat, dass du Potenziale hast und dich befördert hat.

Bjørn Andres: Mhm. Mhm.

Marketa Burger: Normalerweise ist mit 50 plus dann die Zeit gekommen, wo man wirklich selber zur Gestalterin oder zum Gestalter seines eigenen Jobglücks werden muss. Das ist erstmal eine unsanfte Landung und man braucht da Mut. Es ist eine neue Art an Themen ranzugehen. Und man geht da in was Unbekanntes los. Und natürlich ist das erstmal beängstigend. Ganz natürlich.

Bjørn Andres: Okay, ich ein sehr guter Hinweis. Würdest du sagen, dass es tatsächlich auch so ist, dass es je älter wir werden, umso herausfordernder, ich will nicht schwieriger sagen, bewusst nicht, sondern umso herausfordernder wird es? Oder ist es auch das ein Stück weit was, was uns so von außen auf geredet oder eingeredet wird, eigentlich, dass es herausfordernd ist, aber eigentlich ist es gar nicht so.

Marketa Burger: Also aus meiner Erfahrung wird es definitiv schwieriger, je älter du bist. Also ich habe ganz andere Möglichkeiten mit einer Person zu arbeiten, die 51 ist, als mit einer Person, die 65 ist. Also das muss man schon sagen, da muss man schon ein bisschen abgrenzen, aber auch mit über 60 ist es definitiv nicht unmöglich und auch hier spielt wieder das Thema eigenes Mindset eine Rolle.

Bjørn Andres: Mhm. Mhm.

Marketa Burger: Wie gehe ich an das Ganze ran? Wie viel Zeit gebe ich mir auch? Wie viel Mut habe ich, Dinge auszuprobieren, unkonventionelle Dinge zu gehen? Oder auch, wie schwierig ist mein Wunsch? Wie groß soll der Change sein? Möchte ich mich nur aus einer, also nur, möchte ich mich nur aus einer Branche in eine nächste, in eine verwandte Branche verändern? Zum Beispiel aus dem Maschinenbau in die Medizintechnik als Ingenieur. dann wird es nicht so extrem herausfordernd sein, wie wenn dieser Ingenieur sich als Coach selbstständig machen möchte. Also auch wie groß soll dieser Schritt sein, spielt definitiv auch eine Rolle. Und was bringe ich dafür mit? Welches Netzwerk ist schon vorhanden? Welche eigenen Bewältigungsmechanismen habe ich denn? Welche Erfolgsgeheimnisse Wie habe früher Dinge erreicht? Was kann ich davon in der Zukunft Da spielt so viel eine Rolle. Aber definitiv ist erst mal nichts unmöglich. Und es lohnt sich, da für sich loszugehen.

Bjørn Andres: Ja, finde ich super stark, einfach auch nochmal zu betonen. Ich glaube, ist einfach auch an uns, die wir so eine Geschichte wie meine zum Beispiel ja auch schon mal erzählt haben, daran auch zu sagen, Leute, ihr seht, es geht. Also es gibt Beispiele, genügend Beispiele, die ich kenne, auch in meinem Netzwerk, wo genau das funktioniert und funktioniert hat und wo wir eigentlich tausend Gegenbeispiele zu all dem bringen können, wo die Leute sagen, ach, das wird doch sowieso nichts und ich bin zu alt dafür und so weiter. funktioniert alles nicht. Ich kenne einfach genügend Menschen, wo es nicht der Fall ist. Und das finde ich ist etwas, was für mich einfach oder was mir einfach Hoffnung macht. Gerade im Zusammenhang auch damit, dass hoffentlich irgendjemand mal erkennt, dass wir halt wirklich Fachkräftemangel haben.

Marketa Burger: Absolut. Und ich finde, mit Mut werden auch wirklich die schönsten Geschichten geschrieben. Also du bist da wirklich ein wunderbares Beispiel, wie großartig das werden kann, wirklich aus einer ganz anderen Organisation in eine junge Organisation zu kommen und sich da drauf einzulassen und da gegenseitig loszumarschieren. Also ich finde das immer wieder schön, wenn so etwas möglich wird. Und meine Güte, und wenn es dann am Ende nicht für immer ist, dann hat man so viel dabei gelernt.

Bjørn Andres: Ja.

Marketa Burger: Vielleicht dürfen wir uns auch von diesen Gedanken befreien, es muss wirklich etwas für die 15 Jahre sein, die ich noch übrig habe. Weil manchmal spielt das Leben dann doch anders, als man denkt. Aber ich habe noch von keinem gehört, es hätte sich nicht gelohnt. Es wäre nicht der richtige Schritt gewesen, für sich loszugehen. da war wirklich keiner dabei, der gesagt hätte.

Bjørn Andres: Mhm. Mhm.

Marketa Burger: ich habe da irgendwie einen Fehler gemacht oder wäre ich doch in der Sicherheit geblieben. Alle haben gesagt, ich habe mich persönlich und fachlich so was von weiterentwickelt und ich habe überhaupt nicht zu hoffen gewagt, dass da so was Tolles dabei rauskommen kann.

Bjørn Andres: Okay, meine letzte Podcastaufnahme war mit Christoph Tege, der ja Boxen statt Mimimi macht und Christoph hat einen schönen Satz oder hat was gesagt, was sich lange nachhalt bei mir. Das ist dieses, du gehst nicht raus, der Gegner ist nicht jemand anders, sondern oftmals ist der Gegner eigentlich du selber. Und deine Limitierung und was alles so mit dazu gehört. Wenn du jetzt mal jemanden hast, Nehmen wir mal jemanden, der bis Mitte 50 ist gekündigt worden, ist lange im Unternehmen gewesen und sagt jetzt einmal, Keter, ich habe Bock mit dir zu arbeiten. Ich weiß aber noch gar nicht, wo mein Weg hin soll. Was sind denn so deine ersten Schritte, die du machen würdest?

Marketa Burger: Also zunächst mal finde ich das klasse, wenn die Person ehrlich zugibt, ich weiß noch gar nicht, wo es hin soll, weil das macht den Raum frei für ganz, ganz, ganz, ganz viele Überlegungen. Und das ist übrigens gar kein exotisches Thema bei mir in meinen Coachings. Das kommt immer wieder vor. ja, also davor arbeiten wir wirklich erfolgreich an solchen Themen. Also wir gucken wirklich, wie kann man das denn verbinden, was du vorhast? Mit deinen Talenten, mit dem, du gerne arbeitest, in welchem Umfeld du gerne arbeitest. Und selbstverständlich gucken wir uns auch an, gibt es da auch einen Markt dafür? Ist es überhaupt realistisch? Oder ist es auch in dem Alter noch realistisch? Also irgendwann kommt dann doch das Thema, wo wir es abgleichen dürfen. Mit der Realität ist es überhaupt so machbar? Oder wäre der Preis zu hoch, das genauso zu machen? Aber vielleicht ist... Die Idee A nicht ganz richtig, aber es gibt Idee B. Und wir können uns von Idee A ganz viele Dinge klauen und sie dort irgendwie unterbringen. Es muss auch nicht nur das eine sein, sondern man darf sich wirklich offen, man darf sich da offen in den Prozess hineinbegeben und auch schauen, welche Türen öffnen sich da auf dem Weg.

Bjørn Andres: Mhm.

Marketa Burger: Und da sind viele ganz erstaunt, dass das großartige Türen sind, von denen sie oft vorher gar nicht die Idee hatten, dass die überhaupt für sie irgendwo auf dem Weg liegen könnten. Also gerade wenn wir auch Menschen mit reinnehmen, die an uns glauben, die uns inspirieren, die auch was möglich machen, ja dann passiert wirklich so eine Beflügelung, so ein Inspirationsfeuerwerk und Ja, dann wird's großartig. Es kann dann nur noch gut werden mit dieser Offenheit und mit Menschen an der Seite, die wirklich auch groß denken, die auch erlauben, sich groß zu denken und aufzubauen und eben nicht nur an allem rumkritteln und an Versuchen klein zu halten.

Bjørn Andres: Dann gehen wir ja eigentlich, wenn ich das richtig verstehe, ja fast sogar, oder dann gehst du ja sogar fast nochmal ein bisschen weiter, weil es ist ja nicht nur, dass es ⁓ ich suche neuen Job, sondern es ist ja ein Stück weit auch eine Entscheidung, wie will ich denn jetzt eigentlich in der nächsten Zeit leben. Das sind ja, es ist ja eigentlich noch viel mehr, weil das eine, okay, der Job, der bezahlt mir meine Rechnung, der macht mir meinen Kühlschrank voll. Aber das andere ist ja, glaube ich, dann schon fast die viel wichtigere Frage, was ist denn eigentlich mein... Mein eigener Plan für die Zukunft.

Marketa Burger: Ja, das geht nicht isoliert betrachtet, wenn der Job nicht zu meiner Lebenssituation passt, dann ist es nicht mein Wunschjob, dann ist es nicht mein perfekter Job für die jetzige Lebensphase. Vielleicht habe ich ja noch pflegebedürftige Eltern, die ich in den Plan mit einbeziehen muss, dann ist vermutlich eine Reisetätigkeit nicht so gut, eine ganz spontane. Oder heute hatte ich erst ein Gespräch mit einem Herrn, ist Ja, noch bisschen später Vater geworden, hat zwei Kids, fünf und elf Jahre. Und der hat gesagt, natürlich möchte ich auch über die Altersgrenze hinaus arbeiten, weil ich möchte meinen Kindern noch was ermöglichen. Ich möchte auch ihr Studium später noch finanzieren und sie da unterstützen. Und das sind alles Überlegungen, die muss ich da natürlich mit einbeziehen. Also das Leben gehört unbedingt in die Betrachtung rein. wenn wir Prioritäten setzen für den neuen Job, ganz, klar.

Bjørn Andres: machst du ja eigentlich noch viel mehr in deinen Coachings als nur nur hey komm ich zeig dir mal wie du dich bewirbst oder also eigentlich ist es doch doch viel mehr wenn wir mal ehrlich sind

Marketa Burger: Ich glaube, die Bewerbung an sich ist tatsächlich das kleinste Thema, was wir bearbeiten. Was vorher da sein muss, ist die Klarheit. Wirklich die absolute Klarheit, welche Rolle möchte ich einnehmen, welche Botschaften will ich senden, was passt wirklich zu mir, was ist das Umfeld, in dem ich aufblühen werde? Und die Bewerbung ist dann die Technik. Wenn die Klarheit da ist, dann können wir hergehen. und können uns eine schöne, strukturierte Bewerbung aufbauen, die natürlich clever aufgebaut ist. Wir können die Botschaften ausformulieren, die Pitches für den Arbeitgeber. Aber ohne die Klarheit funktioniert das nicht, dann wird die Bewerbung auch schwach. Dann ist es einfach nur ein schönes Konstrukt mit den beruflichen Stationen. Aber das ist nichts, was wirkt. Das ist nichts, was eine Emotion beim Arbeitgeber auslöst.

Bjørn Andres: Hm. Und gerade da ist es dann ja wahrscheinlich schon sehr spannend auch zu schauen, ... wenn ich mich eh abheben will von der breiten Masse, ... macht es ja durchaus Sinn auch wirklich mal vorher in die Tiefe zu gehen ... und zu schauen, wie strukturiere ich denn anders. Jetzt haben wir das Thema so bisschen mit dem Fachkräftemangel. Ich glaube, da sollte jedem klar sein, ... ... macht es trotzdem, egal was euch abschreckt. Ich würde gerne noch mal auf das Thema Altersdiskriminierung kommen. Gerade bei uns im Sales Ein Thema, was sich meiner Meinung nach durchzieht in die letzten zehn Jahre, Minimum. Dass der Alte sagt, die ganzen Jungen mit ihr, jetzt kommt da einer die Ecke, der macht das seit zwei Jahren, der will mir die Welt erklären. Und die Jungen sitzen da und erzählen, guck mal hier, Alten, früher war alles besser und das haben wir schon immer so gemacht. Dein Plädoyer für mehr Miteinander.

Marketa Burger: Ja, also ganz klar, gerade im Sales, bitte holt euch die alten Hasen an Bord, weil die wissen, wie es funktioniert. Also gerade auch durch die Empathie, durch die Lebenserfahrung. Wisst ihr einfach super gut, was braucht diese Person? Was ist das für ein Typ, was motiviert die Person, was treibt sie an und könnt da viel besser auch ein Angebot zuschneiden. Und im Sales stelle ich auch immer wieder fest, die jungen Leute, so in meinem Alter oder noch jünger, so jung bin ich nicht mehr, die tun sich ja wirklich total schwer auch mit Akquise. Die tun sich wahnsinnig schwer damit, ein Telefon in die Hand zu nehmen. Und die tun sich auch schwer damit, mit einer Reisetätigkeit, also wirklich die Kunden abzuklappern und Außendienst zu machen. Und das sind so Dinge, die habt ihr früher noch auf die harte Tour gelernt. Das war bei euch völlig normal. Da seid ihr erprobt, da seid ihr Härtig getestet. und mittlerweile müsst ihr das gar nicht mehr so intensiv machen, weil ihr euch da Workarounds geschaffen habt, dass ihr eben nicht den ganzen Tag auf der Straße sein müsst. Und ich finde, das ist ein riesen Entwicklungsfeld, von dem die Jungen so extrem profitieren können. Also deswegen macht es wirklich Sinn, gerade in dem Bereich auf Älterer zu setzen. Und auf der anderen Seite helfen natürlich auch die Jüngeren. Gerade auch wenn es jüngere Zielgruppen geht, da mehr Zielgruppenverständnis vielleicht noch herzustellen. Was sind denn da so die Pain Points und wie kann ich sie ausräumen? Und klar, viele Jüngere können mit anderen Systemen noch anders umgehen, können auch neue Tools noch mit reinnehmen, können sich auch überlegen, wie machen wir das mit dem Marketing noch anders und so weiter und so fort. Ja, also ich finde, gerade durch die frischen Ideen der Jüngeren durch dieses unverdorbene, weil sie das eben nicht schon 20, 30 Jahre machen, bringt die einfach noch völlig neue, innovative Ideen mit rein. Und davon profitieren dann natürlich auch unsere alten Hasen, wenn man das liebevoll so nennen darf.

Bjørn Andres: Ja, total. Für mich ist da zusammen und gemeinsam eigentlich so das Stichwort. Weil wir Vertriebler neigen ja oftmals dazu den Ellenbogen rechts, den Ellenbogen links und mein Ziel als Erstes. Und ich würde da gerne echt eine Lanze brechen für diverse Teams und diverse ist in diesem Fall nicht nur männlich, weiblich diverse, sondern für mich ist jung, alt einfach auch ein Riesenthema, gerade im Sales, muss ich ehrlich gestehen, ich sage, wo eigentlich ... alle nur davon auch aus der eigenen Erfahrung lernen können, weil es einfach genau das ist, was du sagst. Also jung befruchtet alt, alt befruchtet jung. bist, du kriegst einen ganz anderen Blick auf Sprache. Also meine Kolleginnen und Kollegen sind alle jünger als ich. Die reden alle anders. Und ich muss ganz, muss echt aufpassen. Das kann ich dir sagen aus Erfahrung. Ich muss aufpassen, dass ich nicht auch so anfange zu reden, weil das wäre cringe. Wenn ich auf einmal Jugendsprache benutzen würde, zum Beispiel, oder oder oder so reden würde, dass er

Marketa Burger: Ja. Hm.

Bjørn Andres: fühlt sich komisch an. Auf der anderen Seite verstehe ich es aber viel besser. Und das ist halt auch ein Riesenvorteil, weil im Sales ja irgendwann auch mal Einkäufer zum Beispiel, sitzen die deutlich jünger sind als der Betriebler.

Marketa Burger: Mhm. Ja, ich finde es schult wirklich immer extrem die Perspektive zu wechseln und sich das mit anzuschauen. Und ich merke auch in der Kommunikation mit meinem Sohn, der ist sieben geworden, was sich da schon in die Sprache eingeschlichen hat. Was ist denn wieder dieses Six-Seven zum Beispiel? Und das verändert sich ja wirklich am laufenden Band und sich da auch als ältere Person komplett zu verschließen.

Bjørn Andres: Mhm.

Marketa Burger: und zu sagen, ja, das ist so neumodischer Quatsch, damit will ich gar nichts mehr zu tun haben. Das ist das, was dieses Vorurteil nur schüren würde, dass man eben nicht mehr bereit ist, sich weiterzubilden, dass man nicht mehr offen ist für die Entwicklungen. Deswegen würde ich da wirklich proaktiv voranschreiten und das Gespräch suchen mit den Jüngeren, ja, und da wirklich immer auch up to date bleiben.

Bjørn Andres: Mh. Für mich ein gutes Beispiel ist immer noch, wer jetzt Mitte 50 ist und sagt, oh, die Jugend mit ihrer Sprache, erinnert euch mal kurz zurück an die Zeit, als ihr Anfang Mitte 20 seid und dann fragt euch mal, wie eure Eltern das gefunden haben, wie ihr kommuniziert habt. Und ich kann euch aus eigener Erfahrung noch sagen, das war schon ziemlich weird, mal so ein paar Sachen, weil wir haben ja auch komplett anders geredet als unsere Eltern. Und das ist halt, glaube ich, ein ganz wichtiger Punkt und deshalb ...

Marketa Burger: Mhm.

Bjørn Andres: nochmal meinen Appell an mehr zusammen und mehr gemeinsam, ... weil dann wird es auf jeden Fall einfacher für alle. Hm?

Marketa Burger: Ja, definitiv. Ich erinnere mich noch total gut, dass ich als Jugendliche irgendwann mit dem Wörtchen geil angekommen bin. Und meine Mutter hat die Hände über den Kopf zusammengeschlagen. Das ist so ein böses Wort, das will ich hier zu Hause nicht mehr hören. Und ich glaube, die Jungen heute würden dazu Cringe sagen.

Bjørn Andres: Mh? Mh? Mh? Mh? Ja voll. für mich das beste Beispiel fällt mir immer noch wieder auf. Ich habe jetzt gelernt, das Jugendwort des Jahres, das krass. Das war bei uns früher, wenn wir einen Ausdruck großer Überraschungen und großer Wow hatten, dann war das Altobelli. Und wer sich erinnert, war Giovanni Altobelli, ein italienischer Fußballer. Gotthabin Selig mittlerweile. Und das war für uns der gleiche Ausdruck. trotzdem, ich erwische mich heute noch dabei, wie ich das manchmal sage. Und denke mir so, was ein Glück. Das sind aber auch die Momente, ich merke, ich bin alt geworden. Weil mich meine jungen Kollegen, wenn mir das rausrutscht, manchmal angucken und denken, was redet der alte weiße Mann da?

Marketa Burger: Hehehehehe Ja, und ich finde es wiederum total schön, wirklich so alte Begriffe wieder in meine Sprache einfließen zu lassen. Zum Beispiel Kokolores, so ein schönes Wort.

Bjørn Andres: Ja, voll, total. ja, und ich glaube, das ist halt, wie du schon richtig sagtest, dieser Punkt mit dem Gegenseitigen, befruchten und voneinander irgendwie auch zu lernen und das mitzunehmen bevor oder beinhaltet, dass man halt open-minded ist in allen Richtungen und offen dafür, sich auf Neues einzulassen. Insofern, ja, ein guter Appell. Altersdiskriminierung und seine negativen Folgen. All das, was da so passiert, macht ja was mit Menschen. Und ich glaube, dass es viele draußen gibt, die älter sind, die auf Job-Suche sind, die auch echt damit struggeln und denen es wirklich nicht gut geht, auch mental nicht gut geht. Hast du was, was trotzdem immer wieder Hoffnung macht, wo du sagst, ja, auf jeden Fall, da gibt es Wege raus?

Marketa Burger: Ja, also zunächst mal möchte ich sagen, dass vor Altersdiskriminierung keiner geschützt ist, völlig egal, auch vom Jobtitel oder vom Ansehen vorher im Unternehmen. Ich habe zurzeit zum Beispiel einen Kunden bei mir, der war internationale Manager in seinem Unternehmen, hat wirklich Niederlassungen im Ausland aufgebaut, extrem viele Mitarbeiter eingestellt, hat da wirklich immer Erfolge eingefahren und Plötzlich steht er der Aussage gegenüber, du bist nicht mehr vermittelbar, dich brauche ich gar nicht mehr, man den Kunden vorschlagen. Hat er von einem Headhunter seines Vertrauens gehört. Und natürlich ist es erstmal ein Schlag ins Gesicht. So etwas macht ja was mit dir. Und erstmal gehst du natürlich so in die Abwehrhaltung. Ja, so ein Quatsch. Ich hab doch vor einer Woche hier noch...

Bjørn Andres: Mhm.

Marketa Burger: Millionen Umsatz gemacht. Natürlich braucht mich der Markt. Ich habe doch hier was zu bieten. Ich bin hier eine gestandene Persönlichkeit. Aber wenn du dich dann in den Prozess reinbegiebst und du bekommst immer wieder Absagen auf deine Bewerbung oder du hörst immer wieder, ja, sind sie sicher, dass sie in ihrem Alter sich nochmal verändern wollen, dass sie sich nicht zur Ruhe setzen wollen oder sind sie sicher, dass sie in unser junges dynamisches Team passen?

Bjørn Andres: Mhm.

Marketa Burger: dann beginnst du irgendwann an dir zu zweifeln, auch als gestandene, selbstbewusste Persönlichkeit. Also je länger auch diese Altersdiskriminierung andauert, je länger du ihr ausgesetzt bist, desto mehr Selbstzweifel entstehen und irgendwann fragst du dich, ist das womöglich wahr? Ist meine Fähigkeit veraltet? Ist die nichts mehr für den heutigen Arbeitsmarkt? Muss ich komplett umqualifizieren oder

Bjørn Andres: Mhm. Mhm.

Marketa Burger: Auch war das Ganze, was ich in letzten 20, 30 Jahren gemacht und erreicht habe, ist es nichts mehr wert. Und das lässt deine Welt erschüttern, wir alle ziehen ja auch unser Selbstbewusstsein aus diesen beruflichen Erfolgen. Und gerade auch die Männer, ich finde, die tun sich damit auch besonders schwer, wenn das dann so hinterfragt wird oder wenn das nicht mehr sein soll. Also das lässt ja deine ganze Welt zusammenbrechen, alles, worüber du dich auch identifiziert hast.

Bjørn Andres: Ja.

Marketa Burger: Ja, ich finde, ist ein riesiger Schlag ins Gesicht und da hast du wirklich ein großes Päckchen dann erstmal, gegen das du ankämpfen musst. Zusätzlich zu dem Thema, dass das Bewerben generell schwierig ist durch die ganzen ATS-Systeme, durch die hohe Konkurrenz. Man begibt sich ja wirklich in so ein Gerangel mit den Jüngeren, die alle günstiger sind. Also man braucht generell gute Argumente, sich da abzuheben und man braucht wirklich ganz viel Energie dafür, das zu rocken. Und wenn du dann auch immer diese Absagen bekommst, ja, dann beginnst du dich vielleicht zurückzuziehen und hast immer weniger Kraft für diesen Bewerbungsprozess. Also mein Tipp ist hier definitiv, ja, sich das Versuchen nicht persönlich zu nehmen.

Bjørn Andres: Mhm. Mhm. Mhm.

Marketa Burger: Auch wenn es extrem schwierig ist, vor allem wenn du das so wiederholt zu hören bekommst. Und meine Empfehlung ist hier immer wirklich seine Energie hochzuhalten, seine Erfolge zu kennen, sie zu visualisieren, sie zu wiederholen. Und auch mit Menschen zu sprechen, die die Erfolge bestätigen. Vielleicht habe ich ja wirklich ein gutes Netzwerk, was mich da durchtragen kann. Vielleicht kann ich auch, wenn ich zu Hause bin, mich irgendwo einsetzen, damit ich eine gute positive Bestätigung bekomme für mich persönlich, für meine Arbeitsleistung, für meine guten Ideen. Eine Kundin zum Beispiel von mir, hat ein junges Start-up beraten, 20 Stunden, als Beraterin war das, so eine Mini-Selbstständigkeit. Und sie hat gesagt, es hat ihr wirklich richtig Aufwind gegeben, mal wieder ihre Ideen einbringen zu dürfen, mal wieder eine geschätzte Gesprächspartnerin zu sein und zu sehen, dass das, was sie da vorgeschlagen hat, auch umgesetzt wurde. Also vielleicht gibt es da auch eine Möglichkeit, trotzdem im Markt zu bleiben, auch wenn ich nicht aktiv einer normalen Beschäftigung nachgehe.

Bjørn Andres: Ja, finde ich gut. Liebes Netzwerk, an dieser Stelle ein Hinweis und ein Aufruf, wenn ihr Fachkräfte sucht und ihr bereit seid, auch Menschen, die schon ein paar Jächen mehr auf dem Puckel haben einzustellen, dann vernetzt euch an dieser Stelle mit Maketa, sprecht mal mit ihr, hört mal, wen sie so alles bei sich im Coaching habt und Ich gehe fest davon aus, dass ihr da wirklich richtig, richtig gute Menschen befinden werdet, die garantiert euch und eure Firma bereichern werden. Insofern kann ich das echt jeder Firma nur empfehlen. Diese Geschichte gerade eben, was du erzählt hast mit dem Manager, das ist für mich was, wo ich da sitze und eigentlich fassungslos bin, weil ich mir irgendwie so denke, okay, da ist jemand, der ist nachweislich erfolgreich gewesen und auf einmal spricht man es ihm ab.

Marketa Burger: Ja.

Bjørn Andres: Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was das mit einem macht als Mensch, weil du alles infrage stellst. Du stellst dich ja komplett infrage in dem Moment. Und gerade wir Männer in diesem Alter, in dem es uns dann trifft mit Anfang, Mitte 50, sind wir eh oftmals in einer Phase, wo wir sowieso schon unser ganzes Leben hinterfragen. Wenn das dann noch dazukommt ...

Marketa Burger: Ja.

Bjørn Andres: dann kann das schon echt existenziell sein. Und dann kann das, glaube ich, Menschen auf den Boden oder den Füßen wegziehen. Und deshalb finde ich das so wichtig, darüber zu reden und dieses Thema einfach auch aus dieser einer dieser stillen Ecken rauszuholen. Und deshalb bin ich so froh, dass du das machst. Zum Glück auch in dieser dieser Hartnäckigkeit und in dieser dieser Vehemenz schon die ganze Zeit, weil ich weil ich einfach finde, dass so wenig irgendwie zum Tragen kommt Volker Kaufmann, finde ich, hat es mit seiner Brückenbauerei so wunderbar irgendwie unterstützt, auch diese Thematik irgendwie daraus zu holen. Ich habe aber immer so das Gefühl, das ist so eine dieser vier, fünf Thematiken, die uns immer begleitet, die eigentlich viel zu wenig stattfinden und über die zu wenig geredet wird.

Marketa Burger: Vielen Dank. Ja, wir brauchen vor allem, wie du vorhin schon erwähnt hast, auch wirklich Vorbilder, Menschen, die es geschafft haben, sich zu verändern oder auch wirklich zu zeigen, in welchem Unternehmen Menschen über 50 glücklich geworden sind, was sie dort gerockt haben. Ja, und ich möchte gerne noch sagen, liebe Arbeitgeber, denkt um, ladet sie ein, stellt sie ein, weil wenn ihr das nicht macht, werde ich irgendwann ein Unternehmen gründen und alle Menschen über 50 einstellen.

Bjørn Andres: Das kann aber auch eine spannende Bude werden, das kann ich dir sagen. Ja, ich tippe auf ein hoch erfolgreiches Unternehmen tatsächlich, weil du jede Menge motivierte Leute finden wirst, die Lust haben, was zu bewegen. Muss man ja auch mal ehrlicherweise sagen. Also das, dabei rauskommt, kann nur gut werden. Deshalb weiß ich gar nicht, ob ich dir das eine so sehr wünschen soll wie das andere. Das ist halt so der Punkt.

Marketa Burger: Hahaha

Bjørn Andres: ein bisschen schwierig macht irgendwie so.

Marketa Burger: Wir müssen uns nur noch einigen, welches Produkt oder welche Dienstleistung wir anbieten.

Bjørn Andres: Das kann ich dir sagen. Ich glaube, indem wir einfach erst mal über gute Nachrichten reden, wie Menschen mit 50 Plus es geschafft haben, tatsächlich ihr Jobglück zu finden, das wäre ja schon so der erste Punkt. Und wenn wir nur mal zehn Ambassador finden würden für Jobglück 50 Plus, die sagen, hey Leute, ich hab's mal gemacht und es hat funktioniert, vielleicht wäre das mal ein Anfang. Menschen, die rausgehen einfach und sagen, ich hab Bock auch darauf, diese Botschaft nach außen zu tragen. Wer weiß, was heute hier geboren wird, Marketa.

Marketa Burger: Das stimmt ja. Also du bist auf jeden Fall schon mal das Aushängeschild mit deiner Start-up-Geschichte. Also ich finde, das ist beispielhaft und so eine schöne Geschichte, die wirklich immer noch mein Herz wärmt, wenn ich dann zurückdenke.

Bjørn Andres: Na, basically. Das stimmt voll. Also man muss aber auch ehrlicherweise sagen, meine ersten Chefs oder meine ersten Gründer damals waren schon sehr offen für dieses Thema. Unser jetziger Gründer bei Überblick zur Helmut ist da auch total frei von jeder Berührungsangst, muss man einfach sagen. Und für uns als Unternehmen ist es super gut, wie sich diese Altersdiversität zusätzlich zu anderen einfach komplett durchzieht, weil wir alle davon profitieren. Also Jung von Alt, von Jung, Mann von Frau, Frau von Mann, komplett das Paket einmal quer durch. Und das ist für mich einfach echt was, wo ich immer sage, besser geht es gar nicht. Und was mich fassungslos macht, wenn ich Menschen höre, die sagen, das ist doch alles, da wird überbewertet, ist alles Quatsch, muss man gar nicht hier, muss Gas, Gas, Gas, Gas. Und dann denke ich mir immer, ja, aber wieso? Ein älterer Mitarbeiter schließt ja Vollgas nicht aus.

Marketa Burger: Ja. Ja, genau, und die Eltern kennen ja auch auf die Abkürzung.

Bjørn Andres: Ja, das auf jeden Fall. Das ist ja genau der Punkt. Wir laufen 1000 Meter und sind nur 800 gelaufen, haben aber trotzdem das Ziel erreicht. Weil wir wissen, wo wir rechtzeitig rechts oder links abbiegen können. Das stimmt, das ist oftmals das Vorteil.

Marketa Burger: Mhm. Genau und ihr wisst auch, wo lohnt es sich vielleicht auch gar nicht los zu rennen, sondern wo sollte man erstmal abwarten?

Bjørn Andres: Das macht das auch noch mal spannend. Ja, finde ich.

Marketa Burger: Ja, also ich finde Power und 50 plus ist definitiv etwas, sich, was ich in einem Satz genannt gehört, aber auf eine positive Art und Weise, weil Menschen über 50 plus wirklich Power und Entfaltung und Aufbau und Transformation und Zukunftsfähigkeit möglich machen.

Bjørn Andres: Ja, ich voll dabei bin, kann ich nur unterschreiben. Zum Schluss, ich gucke so bisschen auf die Uhr, wir sind bei 50 Minuten, das pendelt sich richtig gut ein. Zwei Tipps für Bewerber, zwei Tipps für Unternehmen von der Expertin. Was würdest du sagen? Was ist es wirklich super wichtig auf beiden Seiten, damit das funktioniert?

Marketa Burger: Also zunächst mal starte ich gerne mit den Arbeitgebern, mit den Unternehmen und ich sag direkt, was es meinen Leuten schwer macht, zu euch zu finden. Das sind zum einen oft schlecht geschrieben Stellenanzeigen, die oft unbeabsichtigt so formuliert sind, dass sie ältere abschrecken. Also achtet hier wirklich bewusst auf eure Wortwahl und schreibt nicht rein,

Bjørn Andres: Mhm. Mhm.

Marketa Burger: Du hast erste Berufserfahrung in Thema XY. Schreibt nicht rein, wir gehen am Feierabend zusammen feiern. Und schreibt nicht rein, junges, dynamisches Team sucht Verstärkung. Sondern versucht wirklich, die Älteren zu adressieren mit den Themen und auch mit der Arbeitskultur, die bei euch sowieso schon vorherrscht. Weil wenn ihr ein guter Arbeitgeber seid, der offen ist.

Bjørn Andres: Mhm.

Marketa Burger: Habt ihr das alles schon? Ihr müsst es nur noch richtig verbalisieren und richtig kommunizieren? Dann finden die Richtigen zu euch.

Bjørn Andres: Was ist das? Mhm.

Marketa Burger: Und der zweite Tipp ist einfach mal ausprobieren, einfach mal offen sein. Gerade auch wenn ich bisher eher jüngere eingestellt habe, dann wird eure Struktur intern irgendwann zu langweilig. Es ist immer das gleiche, es kommen keine neuen Impulse mehr rein und gerade dann ist die perfekte Zeitung gekommen, auch mal eine erfahrene Person einzuladen. Und eine erfahrene Person einzuladen bedeutet noch nicht, ihr müsst sie heiraten, ans Lebensende mit ihr zusammen bleiben und fünf Kinder zeugen. Das heißt nur, ihr führt ein tolles, interessantes Gespräch, wo ihr über Möglichkeiten sprecht. Und wenn dann dabei rumkommt, das ist nicht der perfekte Match, dann könnt ihr euch auf eine freundliche und klare Art und Weise auch wieder woanders verabschieden und beide haben von diesem Gespräch profitiert.

Bjørn Andres: Sehr geiler Hinweis. Leute, ja total richtig. Kann ich nur unterschreiben. Okay, jetzt für Bewerber zwei Tipps. So deine wichtigsten.

Marketa Burger: Meine wichtigsten Tipps, ganz klar nehmt euch die Zeit, wenn euch eine Kündigung ereilt oder wenn irgendwas Schlimmes im Beruf passiert oder wenn ihr auch schon wittert, euer Arbeitsplatz könnte in Gefahr sein. Nehmt euch Zeit für euch, nehmt euch Zeit, zu planen, ⁓ zu erforschen, was ihr möchtet, wie eure zukünftige Rolle sein soll und investiert hier an diesem Punkt spätestens dann auch ins Netzwerk. weil wir haben ja vorhin mitbekommen, das Netzwerk ist die beste Altersversicherung und das Netzwerk kann euch oft schon vor diesem anstrengenden Bewerbungsdschungel ein Stückchen weit bewahren. kann euch das nicht völlig abnehmen, aber es kann euch den Zugang extrem leichter machen. Deswegen ja, investiert da wirklich frühzeitig die Zeit und Energie, euch zu überlegen, wohin möchte ich, mit wem möchte ich, wer könnte mir dabei helfen. Und mein zweiter wichtiger Tipp ist umgebt euch mit Menschen, die euch inspirieren und die Dinge schon möglich gemacht haben. Umgebt euch Machern, mit Gestaltern, mit Menschen, die euch wirklich was Positives mitgeben und trennt euch von den Menschen, die euch belasten und runterziehen oder reduziert da in dieser Phase den Kontakt. Weil Tante Helga meint es immer gut, ja, auch wenn sie sagt, geh mal hier auf Nummer sicher. oder in deinem Alter, da backen wir nur noch kleine Brötchen. Die meint es gut mit euch, weil sie selber nie gelernt hat, man kann über sich hinaus wachsen, weil es in ihrer eingefahrenen Welt nicht vorkommt und deswegen möchte sie euch auch davor beschützen. Aber Tante Helga ist nicht Karriereexpertin für euer Jobglück.

Bjørn Andres: Super, super, super cool. Finde ich alle Tipps. Ich kann das einfach nur eins zu eins unterschreiben. Habt Mut, geht raus, seid positiv. Ich finde die Geschichte, was du jetzt gerade zum Schluss sagtest, umgeht euch mit Menschen, die positiv sind, die euch supporten, die euch unterstützen, die euch groß machen wieder, anstatt euch noch kleiner zu machen, als ihr euch schon fühlt in so Momenten, finde ich super, super wichtig. Jetzt ... Der geneigte Zuhörer unserer Show wird wissen, es kommt zum Schluss immer noch eine Frage, die nach so dem berühmtesten Fail deiner, vielleicht in diesem Fall deiner Selbstständigkeit. Gibt es was, wo du sagst, ⁓ das ist so schief gelaufen, das mir in Erinnerung geblieben?

Marketa Burger: Wenn du Fail in den Mund nimmst, denke ich wirklich an Technikpannen. Das passiert mir leider immer wieder, dass irgendetwas, was vorher wochenlang perfekt funktioniert hat, wenn es drauf ankommt, einfach nicht mehr geht. Zum Beispiel, ich gebe ein Webinar, sind 300 Menschen im Warteraum und plötzlich geht das Mikrofon nicht mehr.

Bjørn Andres: Hm? Mhm. Gott!

Marketa Burger: Ja, also da scheint sich man ja wirklich so bisschen die Technikwelt gegen mich zu verschwören. Und ansonsten, was ich wirklich viel früher auch gerne gelernt hätte, ist das Fokus zu wahren und auch mal nein zu sagen. Ich weiß noch, dass gerade als ich auf LinkedIn gekommen bin, hat mein Thema ja wirklich super viel Anklang gefunden und ich wurde superschnell in Podcasts eingeladen und kannst du dort mal sprechen und kannst du dort mitmachen, kannst du an diesem Post mitwirken, kannst du für mein Buch irgendwas schreiben und so weiter und so fort und ich habe einfach überall ja natürlich gesagt, weil ich das gar nicht erwarten konnte über mein Thema zu sprechen und dann habe ich mich da wirklich verzettelt und ich habe gemerkt meine Batterie, ist wirklich, die leert sich, ja, die war voll und dann wurde sie extrem leer und

Bjørn Andres: Mhm.

Marketa Burger: Ja, also das hätte ich gern wirklich früher gelernt. Ich muss nicht auf jeder Bühne tanzen, sondern nur noch auf den richtigen Bühnen und ein Nein-Jetzt heißt auch nicht, dass ich das Thema für immer begraben und abgesagt habe, sondern es darf vielleicht auch ein Nein-Jetzt, aber gerne später, weil ich freue mich trotzdem darüber sein.

Bjørn Andres: Ja, finde ich supergut, weil oftmals ist das Nein zu irgendwas anderem ja oftmals auch ein Ja zu sich selber. Und das ist so meine Erfahrung, ich auch gemacht habe im letzten Jahr. ja, wir dürfen eins halt nie vergessen, Social Media saugt unsere Social Akkus leer. Das beinhaltet der Name schon mit sich irgendwie. Und ich finde das sehr, sehr gut, dass du es einfach auch nochmal ansprichst, dass wir ja alle ein reales Leben haben, was außerhalb von Social Media stattfindet. Glück und wir da eigentlich ja viel mehr Zeit drin verbringen als online in irgendeiner Form. Liebe Leute, Marketa, es war mir ein Fest. Ich habe mich so, so, so lange so sehr auf diese Aufnahme gefreut, weil wir einfach so lange schon über dieses Thema sprechen. Fast fünf Jahre ist es mittlerweile übrigens her, dass wir gesprochen haben. Insofern, im April jetzt ist mein fünfjähriges Start-up Jubiläum und insofern

Marketa Burger: Vielen Dank. Ja, definitiv.

Bjørn Andres: Vielen, vielen Dank, dass du da warst. Liebe Leute, ich kann euch nur nahelegen, wenn ihr noch nicht mit Marketa vernetzt seid. Bei LinkedIn macht das. Folgt ihr unbedingt, wenn ihr das Gefühl habt, ich habe die fünf vorne und vielleicht auch das Ende der vier. Das weiß ich nicht genau, wie sich sieht. Aber wenn ihr merkt, bei mir jobtechnisch, da könnte kritisch werden. Ich brauche mal jemanden, der ganz anders drauf guckt als ich und ganz anders auch als alle anderen. Dann bucht mal Keter, macht mit ihr einen Termin und ja, ich wünsche dir, dass dein Terminkalender bis Jahresende so voll ist, dass du gar nicht weißt, wo oben und unten ist, weil ich weiß, dass dann möglichst viele Menschen in den Genuss kommen, dass sie einfach jemanden an der Seite haben, der sie nicht alleine lässt und der sie gut begleitet. Das finde ich ist so mein wichtigstes an dieser Stelle. Euch allen, die ihr uns zuhört, solltet ihr diesem Podcast noch nicht folgen. Selber Schuld. Ihr findet uns auf allen gängigen Plattformen. Apple, Spotify. Überall sind wir zu finden. sind bei LinkedIn, bei TikTok und bei Insta. Folgt uns, abonniert die Show so viel wie es geht. Schreibt uns Kommentare. Noch und nöcher bombt uns zu mit allem, was ihr auch speziell zu diesem Thema habt. Ich glaube, das könnte ein sehr, sehr, sehr spannendes Thema auch, ich sag mal so, auf Social Media werden. Lasst uns teilhaben an euren Gedanken. Marketa, das letzte Wort hat bei mir zukünftig immer der Gast in diesem Fall, also du.

Marketa Burger: ... Ja, liebe Zuschauer und Zuhörer, war ja das letzte Wort versemmelt versemmelt. Nein, ich möchte euch unbedingt mitgeben, es ist wirklich niemals zu spät für Jobglück und es lohnt sich für euch loszugehen. Ich freue mich total auf alle Gespräche mit euch. Abonniert unbedingt diesen Podcast und unterstützt ihn und lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass noch viel mehr Menschen aus unterschiedlichen Generationen sich so wunderbar befruchten können wie Björn und ich zusammen.

Bjørn Andres: Was passiert? Vielen Dank, alles Gute, eine schöne Woche, bis dann. Tschüss.

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